Image © Jinran Ha, 2026
Jinran Ha
Opaque Interface – Algorithmic Invisibility and Mythological Presence
Was geschieht, wenn KI versucht, eine nicht-weiße, weibliche Gottheit der Fürsorge zu visualisieren, die kein festes Bild hat? »Opaque Interface« untersucht die strukturellen Vorurteile des maschinellen Sehens und die Auslöschung marginalisierter Erzählungen durch KI-Technologien.
Wenn KI-Bildgenerierungssysteme aufgefordert werden, Samsin Halmi darzustellen — die koreanische Göttin der Geburt und des Lebens, deren Präsenz durch mündliche Überlieferung und Fürsorgepraktiken weitergegeben wurde statt durch feste Ikonografie —, erzeugen sie durchweg sexualisierte oder exotisierte Bilder aus westlicher Perspektive. Das ist kein technischer Fehler, sondern ein Symptom der Machtstrukturen, die der Konstruktion maschinellen Sehens zugrunde liegen.
Gemeinsam mit dem IUNO-Team arbeitet Jinran Ha von Mai 2026 bis Januar 2027 an einer interaktiven Mixed-Reality-Installation, in der sie die Édouard Glissants »Recht auf Opazität« als künstlerische Methodologie und strukturelles Argument einsetzt, um ein opakes Interface zu konstruieren – eine räumliche Konfiguration, die Optimierung und vorhersehbares Feedback verweigert. Ziel ist es, einen spekulativen Raum der Fürsorge zu schaffen, der die Souveränität marginalisierter Entitäten innerhalb technologischer Systeme respektiert.
Künstliche Intelligenz kommt hier für die digitale Medienproduktion zum Einsatz, welche mit Blick auf oben genannte Aspekte zugleich einer kritischen Reflexion unterzogen wird.

Jinran Ha
IUNO Artistic Fellow 2026
Jinran Ha ist eine in Berlin lebende bildende Künstlerin und Interaktionsdesignerin. Ihre forschungsorientierte Praxis umfasst Installationen, Performances und digitale Medien und untersucht strukturelle Ausgrenzungen innerhalb technologischer Systeme aus der Perspektive des Migrantinnen-Feminismus, der dekolonialen Solidarität und der technomythologischen Forschung. Aktuelle Projekte nutzen generative KI, Archivforschung und räumliche Interaktion als Werkzeuge für kritische künstlerische Praxis. Derzeit ist sie Vorstandsmitglied von District * School without Center, einem queeren feministischen Kunst- und Kulturverein in Berlin.

